Was sind eigentlich Schülerlabore?

Unter außerschulischen Lernorten werden Orte außerhalb der Schule verstanden, in denen Kinder und Jugendliche anschauliche Lernerfahrungen machen können. Das klingt geradezu danach, als ob es sich dabei um eine Errungenschaft der Pädagogik handelt. Dabei gab es außerschulisches Lernen lange bevor sich die Wissensvermittlung in Schulen verlagerte. Jedes Umfeld, in dem Lernen ermöglicht wird und sei es auch nur beiläufig, kann zum Lernort werden. Trotzdem beanspruchen heutzutage die Schulen den Prozess des Lernens im allgemeinen für sich alleine und übersehen dabei, dass dieser außerhalb des Schulhofs nicht einfach aufhört.  

Außerschulische Lernorte werden gerne in zwei Gruppen aufgeteilt: In pädagogisch strukturierte und in nicht pädagogisch vorbereite Lernorte. Während unter die zweite Kategorie so ziemlich jeder Ort jenseits des Klassenzimmers fällt, gehören zur ersten Kategorie etablierte Vertreter wie Museen, Zoologische Gärten und Planetarien. In den 1980er-Jahren kamen die ersten Experimentier-Angebote hinzu. Die Ergebnisse der TIMS-Studie im Jahr 2000 lösten dann eine regelrechte Gründungswelle unterschiedlichster Angebote aus. Längerfristig durchgesetzt haben sich außerschulische Mitmach-Labore, die man im deutschsprachigen Raum unter dem Begriff „Schülerlabor“ zusammenfasst.  

Eine Kategorisierung

Es gibt ganz unterschiedliche Beweggründe, die zur Einrichtung der mittlerweile über 380 Schülerlabore beigetragen haben. Sie reichen dabei von der gesellschaftlichen Verantwortung bis hin zur öffentlichkeitswirksamen Präsentation der eigenen Forschungsinhalte. Alle Schülerlabore ebnen Schülern die Möglichkeit, selbstständig zu experimentieren, betreiben dazu dauerhaft anspruchsvolle Laboreinrichtungen und sorgen für eine fachliche Begleitung. Innerhalb dieser Gemeinsamkeiten gibt es allerdings große Unterschiede, wie das einzelne Labor seine Angebote umsetzt und präsentiert. Deshalb hat der Bundesverband der Schülerlabore 2013 eine Kategorisierung dieser Lernangebote vorgenommen, die den Betrieb der Einrichtungen besser sichtbar macht. Ein Labor kann dabei durchaus in verschiedene Kategorien passen. Um eine Einordnung herzustellen, mussten zunächst die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Konzepten herausgearbeitet werden.  

Zwei Säulen haben sich in den letzten 20 Jahren bei den Schülerlaboren herausgebildet. Die Klassischen Schülerlabore (SchüLerLaborK) auf der einen Seite, die sich in der Breitenförderung engagieren und häufig von Universitäten angeboten werden. Sie öffnen ihre Einrichtung für ganze Schulklassen als schulische Veranstaltung und arbeiten nah am Lehrplan der Schulen. Die Mehrzahl der Schülerlabore arbeitet nach diesem Muster.  

Ihnen gegenüber stehen die Schülerforschungszentren (SchüLerLaborF), in denen Jugendliche in ihrer Freizeit alleine oder in kleinen Teams unabhängig von Schulbesuchen experimentieren. Diese individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen hat in der Regel keinen festen Bezug zum Lehrplan. Die Schülerforschungszentren eignen sich unter anderem gut für die Vorbereitung auf Wettbewerbe im MINT-Bereich.  

Bereits in der Lehrerausbildung kommen die zukünftigen Lehrkräfte in den Lehr-Lern-Laboren mit den Schülern zusammen (SchüLerLaborL). Die Studierenden betreuen dort die Schüler und entwickeln zum Teil eigene Experimente, die sie anschließend im Schülerlabor erproben. So lernen sie das Lehren und vertiefen dadurch zugleich selbst fachspezifische Inhalte. Es versteht sich, dass sich die Lehr-Lern-Labore an den Lehrplänen der Schulen orientieren und die Teilnahme der zukünftigen Lehrkräfte an den Veranstaltungen des Schülerlabors fester Bestandteil der Studienpläne der Lehramts-Ausbildung ist.  

Meist ganz ohne Lehrplanbezug kommen Schülerlabore aus, die der Wissenschaftskommunikation dienen (SchüLerLaborW). Wissenschaftskommunikation kann unterschiedliche Zielsetzungen haben: Bisweilen vermittelt sie einfach den Stand von Wissenschaft und Technik. Aber oft steckt dahinter auch die Absicht, die Akzeptanz neuer Technologien zu fördern oder Interessenten für eine Berufswahl im wissenschaftlich-technischen Bereich anzusprechen. Vor allem große internationale Forschungszentren betreiben solche SchüLerLaboreW. Ihre direkte Anbindung an die Grundlagenforschung kann Schüler besonders stark motivieren.  

In einigen Schülerlaboren werden neben Aspekten des MINT-Bereichs auch Einblicke in unternehmerisches Denken und Handeln vermittelt (SchüLerLaborU). Ein Schwerpunkt ist dabei, den Weg von der Idee bis zum fertigen Produkt aufzuzeigen. Ein anderer Ansatz ermöglicht den Schülern, die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen wissenschaftlichen und technischen Vorgängen zu erkennen. Durch diese Bezüge eröffnet sich ihnen die reale Welt einer technikbasierten Wirtschaft.  

Alle Schülerlabore leisten Nachwuchsförderung für MINT-Berufe und -Studiengänge. Sozusagen im Vorbeigehen wird das eine oder andere Berufsbild präsentiert. Schülerlabore mit Berufsorientierung (SchüLerLaborB) bieten mehr: Hier lernen die Schüler gezielt die Berufsmöglichkeiten in der wissenschaftlichen oder technischen Arbeitswelt kennen. Dieses Angebot unterstützt die Teilnehmer systematisch darin, ihre Interessen und Stärken zu erkennen, weiterzuentwickeln und erleichtert ihnen dadurch den Einstieg in den Beruf.  

Maker-Spaces, Maker-Garagen, FabLabs, Jugendwerkstätten - wie bei Schülerforschungszentren stehen bei diesen Schülerlaboren zum Engineering/Entwicklung und Produktion (SchüLerLaborE) die individuelle Förderung und das eigenständige Arbeiten im Vordergrund. Kinder und Jugendlichen können an diesen Lernorten mit Werkstatt-Charakter eigenständig arbeiten, entwickeln, herstellen, experimentieren. Die Räumen stehe häufig nicht nur Schülern offen: erfahrene Senioren, handwerklich aktive Eltern etc. bearbeiten freiwillig technische Projekte. Sehr häufig sind die Räume mit Geräten der neuesten Generation ausgestattet. 

Neben den MINT-Fächern - und häufig mit großem Überschneidungspotenzial - haben sich auch in den Geistes- / Sozial- / Kulturwissenschaften Schülerlabore (SchüLerLaborG) etabliert. Hier werden Phänomene betrachtet, die sich aus dem Wirken des Menschen als handelndes Wesen ergeben. Ob Themen aus der Geschichte, der Gesellschaft oder beispielsweise der Literatur – hier werden mit den Kindern und Jugendlichen Erscheinungsformen menschlichen Handelns untersucht und in ihrer Bedeutung für jeden Einzelnen und die Gesellschaft bewertet. 

Mit dieser Kategorisierung und Begriffsschärfung lassen sich fast alle Schülerlabore unter einer oder mehreren Kategorien einordnen. Dennoch: So allgemein diese Kriterien auch gehalten wurden, das Gesamtangebot lässt sich damit nur unvollständig abdecken. Trotzdem liefert sie Lehrerinnen und Lehrern sowie Multiplikatoren in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eine gegliederte Übersicht über die Schülerlabor-Angebote.  

 

Schülerlabor – Begriffsschärfung und Kategorisierung Haupt O., Domjahn J., Martin U., Skiebe-Corrette P., Vorst S., Zehren W. und Hempelmann R. (2013). In: MNU 66/6, 324 – 330